Inseln in der Ferne

sind sehnsuchtsorte, wissen wir doch nicht um sie, nicht mehr als um die schönheit ihrer umrisse gleich einer schönen frau, deren seele uns verschlossen ist

sind projektionsflächen unserer fantasie, deren umrisse sich in neue lebenswirklichkeiten auflösen

sind heimstätten der götter, die wir nicht wahrhaben, wo sie doch seit jahrtausenden bestehen, wo auch immer

sind orte, die, wenn wir uns aus unserer gedankenblase herausbegeben und sie ansteuern, zu einer neuen realität werden und uns neue horizonte erschließen lassen

sind dann ein teil von uns geworden, uns, die dann neue inseln am horizont ausgemacht haben.

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Lissabonner Nächte – Ausschnitt

Lissabon, im Juli, zwei Uhr nachmittags bei 40 Grad oder mehr im Schatten. Einer der unterirdischen Metro-Bahnsteige, ich weiß nicht mehr welcher in der Innenstadt. Die Türen öffneten sich, und aus der Bahn ergoss sich eine Menschenmenge, die mich und die übrigen Wartenden an der Bahnsteigkante beiseite drückte. Mit der Menge waberte zugleich eine dicke Wolke aus Hitze und Schweißgeruch aus der Tür und mischte sich mit dem von Schmieröl, Putzmittel und Kunststoff. Ich fühlte mich in einen fast komatösen Zustand versetzt, fühlte ich mich ohnehin schon von der Anreise, dem langen Fußmarsch, der Hitze und den vielen Eindrücken erschlagen.

In diesem Moment spürte ich nichts als Leere und Müdigkeit, wenngleich die Bilder dieser geheimnisvoll pulsierenden Stadt in mir nachwirkten. Schmutzige Jahrhunderte alte Häuserfronten mit ihren bröckelnden Stuckfassaden, dunkle Hintereingänge und kleine Kaschemmen im Halbschatten, in denen abgehalfterte Gestalten mit glasigem Blick lungerten. Sie schienen seit Jahrhunderten ihrer Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit nachzuhängen. Enge Straßenschluchten, durch die sich Massen von Autos und immer wieder die schwarzgrünen Taxen sowie die museal anmutenden gelben klingelnden Straßenbahnen mit harten Holzbänken zwängten, mit Schaffnern, die die Tür noch per Handknauf öffneten und die Fahrgäste noch per Handschlag begrüßten. Nach Stockfisch stinkende Lebensmittelläden unten in der Baixa unweit vom Fluss. So hatte ich mir eine der alt-ehrwürdigen Metropolen Lateinamerikas vorgestellt, vielleicht Havanna oder Buenos Aires, nicht aber diese vermeintliche Perle Westeuropas, in deren Namen schon ein vermeintlicher Stolz mitklang.

Gleich am ersten Tag hatte ich Lissabons verwunschenen Botanischen Garten entdeckt, mit den alten knorzigen Bäumen aus den ehemaligen Kolonien und seinen heruntergekommenen düsteren barock anmutenden Brünnchen, die vor sich hinplätscherten, während sich hier und da auf den Bänken junge Mädchen in eindeutiger Pose räkelten und mir verheißungsvolle Blicke zuwarfen oder sanft ein „Queres? – Willst du“ zuwarfen, ich mich indessen ihnen zulächelnd fragte, wo in aller Welt wir es denn in diesem dichtbevölkerten morbiden Paradies treiben sollten.

Vor-satz um-setzen

Erinnerst dich an den gestrigen Blog. Gut. Also. Ich habs begonnen und Gaucks berechtigte Forderung – Integration muss von allen Bürgern wahrgenommen werden – immerhin mal in die Hand genommen.

Dabei wieder bewusst gemacht: Was für ein Geschenk diese Menschen für unser Land sind, oder sinds Perlen vor den Pegida-AfD-Säuen? Menschen sind nur denen Last – lästig -, die den Status Quo als Nonplusultra wertschätzen und dabei nicht merken, dass wir bei demselben austrocknen wie ein Gehirn, das nicht genutzt wird.

Kultur im Wandel

Machen wir uns nichts vor. Integration, Assimilation, A- oder Transkulturation oder wie immer du es auch nennen willst, funktioniert nicht über den Konzert- oder Museumsbesuch, wo du durch Tricks die zu Integrierenden hinlocken willst. Sie wollen ja nicht von uns aufgeklärt werden über unsere Kultur. Ein Weg, den du gehen kannst: Interessier dich einfach selbst für ihre Kultur, für ihre Werte, ihre Interessen, ihre Leidenschaften, ihre Essgewohnheiten, ihre Literatur, Lieblingsfilme, -musik oder was auch immmer. Und wie findest du das heraus? Indem du mit ihnen in Kontakt trittst und mit ihnen sprichst. So kommst du ihnen näher, freundest du dich an, und … er/sie beginnt sich für dich und für deine Werte, Leidenschaften, … zu interessieren. Ganz einfach. Nehmen wir mal an jede/r 100ste tut das, dann sind wir bei grob 850.000 Menschen, also einem erklecklichen Sümmchen, dann sind die knapp 500.000 Flüchtlinge, die 2015 zu uns kamen, längst integriert, und 350.000, die dieses Jahr kommen/kamen, gleich mit.

Wenn von diesen 850.000 Menschen, die auf die Migranten zu gehen, jeder zweite noch einen Freund/eine Freundin auffordert, es ihr/ihm gleich zu tun, und dem Beispiel folgt, dann sind wir mit der Integration noch viel weiter – und angenehmer Nebeneffekt, haben unseren persönlichen Freundeskreis wirklich bereichert.. – Also: Kampagnenvorschlag. Wir versuchen zu erreichen, dass jeder aufgeschlossene Menschen mit einen Migranten/einer in Kontakt kommt – dann wird das was mit der Integration – ohne dass auch nur ein Euro öffentlicher Gelder geflossen ist. Wär das was? Blogparade Kultur im Wandel